Mirjam Blaich – 3/2026
Begegnungen die bleiben!
Im März 2026 durfte ich für drei Wochen Teil des Teams im Providence Home in Nkokonjeru sein. Mit dem Wunsch, neue Erfahrungen zu sammeln, anderen Menschen zu begegnen, eine neue Kultur kennenzulernen und die Welt aus einer anderen Perspektive zu verstehen. Heute liegt eine sehr prägende Zeit hinter mir – eine Zeit voller neuer Eindrücke, bewegender Begegnungen und unvergesslicher Momente. Erinnerungen, die mich ein Leben lang begleiten werden.
Das Providence Home, geführt durch den Orden der Little Sisters of St. Francis, ist ein zuhause für Kinder mit Behinderung, welche in Uganda leider häufig gesellschaftliche Ausgrenzung erfahren. Nicht nur fehlende Aufklärung, sondern auch die oft großen finanziellen Herausforderungen vieler Familien erschweren eine angemessene Versorgung der Kinder. Zeit, medizinische Versorgung oder die nötigen Mittel sind kaum vorhanden.
Genau hier beginnt die Arbeit des Providence Home. Die Kinder leben dort nicht nur an einem sicheren Ort, sondern erfahren vor allem Geborgenheit, Fürsorge und neue Perspektiven. Mit viel Liebe werden sie von den Sisters und dem Team aufgenommen und versorgt. Von Nahrung und einem sicheren Schlafplatz über medizinische Versorgung und Physiotherapie bis hin zu Schulbildung und gemeinsamen Freizeitaktivitäten.
Trotz allen Herausforderungen wird der Kontakt zu den Familien, wenn möglich, aufrechterhalten. Denn das Ziel ist nicht nur Schutz und Unterstützung, sondern auch Verbindung und die Hoffnung auf eine gemeinsame Zukunft.
Schon von Anfang an wurde ich herzlich willkommen geheißen. Alle begegneten mir mit großer Offenheit und Freundlichkeit. Bereits am ersten Abend wurde ich selbstverständlich zum gemeinsamen Volleyball spielen eingeladen und lernte nicht nur die ersten Wörter auf Luganda: „Osiibye otya?“ („Guten Abend“) und „Webale“ („Danke“) sondern spürte sofort die Gemeinschaft, die diesen Ort so besonders macht.
Am nächsten Morgen habe ich von Administratorin Sister Regina und Sister Edith einen kleinen Rundgang über das Gelände des Kinderheims bekommen. Das Providence Home besteht aus mehreren kleinen Gebäuden mit viel Platz zum Spielen und Verweilen dazwischen. Neben den Schlafräumen für Kinder und Mitarbeitende gibt es auch eine Küche, einen Speisesaal, ein Veranstaltungsraum, eine Werkstatt, einen kleinen Behandlungs- sowie einen Physiotherapieraum. Auch eine Bäckerei, ein Andachtsraum und eine kleine Farm mit Schweinen, Kühen, Ziegen, Gänsen und Hühnern gehören zum Gelände.
In der Werkstatt und den Workshopräumen war unter der Woche überwiegend der Bereichsleiter Simon anzutreffen, umringt von interessierten und kreativen Kindern. Hier entstehen mit viel Geduld und Kreativität handgemachter Schmuck, Accessoires und kleine Kunstwerke. Zum Beispiel werden aus alten Zeitschriften Perlen gerollt, bemalt und getrocknet. Gleichzeitig ist die Werkstatt auch ein Ort der Hilfe: Ein Loch im Kleid oder eine lockere Schuhsohle? Simon findet fast immer eine Lösung dank Nähmaschine, Klebestoffen und weiteren Materialien. Es sind genau diese kleinen Momente, die mir gezeigt haben, wie gegenseitige Unterstützung hier gelebt wird.
Auch in der Küche herrscht reger Betrieb. Hier wird jeden Tag sowohl für Kinder als auch Mitarbeitende Frisch gekocht. Von Posho (Maisbrei), Matoke (Kochbanane), Reis und Kartoffeln ist alles mal dabei. Dazu Bohnen und Gemüse oder auch mal Hühnchen. Vieles auch aus eigenem Anbau. Aktuell wird eine eigene Bananenplantage aufgebaut. Einen Tag durfte ich selbst auf dem Feld mithelfen und hab schnell gelernt: Bei 27 Grad in der prallen Sonne ein Feld von Hand umzugraben, ist deutlich anstrengender, als es aussieht.
Um sich langfristig und nachhaltig selbst zu finanzieren, setzt das Providence Home auf mehrere Projekte. Direkt auf dem Gelände befindet sich eine eigene Bäckerei, in der täglich frisches Brot und Süßwaren gebacken werden. Schon früh morgens, um sieben Uhr, beginnt dort der Arbeitstag und es wird gemeinsam in den Tag gestartet. Auch hier wird Integration selbstverständlich gelebt: viele Menschen im Bäckerei-Team leben mit körperlichen oder psychischen Einschränkungen. Doch das hindert weder die gute Zusammenarbeit noch die Freude am Backen und schnell merke ich, wie viel Gemeinschaft auch in dieser Arbeit steckt. Mit Haarnetz und Schürze ausgestattet, wird mir mit viel Geduld und Herzlichkeit gezeigt, wie Brötchen richtig gerollt und Brotteige geknetet werden. Was anfangs einfach aussieht, entpuppte sich schnell als ganz schön geübte Arbeit und Feingeschick. Sind die Backwaren fertig, werden sie mit einem großen LKW abgeholt und in die umliegenden Regionen gebracht, wo sie verkauft werden.
Auch die Herstellung und der Verkauf von Flüssigseife bilden ein wichtige Einnahmequelle des Providence Home. Die einzelnen Bestandteile werden eingekauft, genau abgemessen und anschließend in großen Behältern von Hand angerührt – eine körperlich anstrengende Arbeit, die viel Kraft verlangt. Danach wird die fertige Flüssigseife in Kanister umgefüllt und ebenfalls in den umliegenden Regionen verkauft.
Aktuell gehören auch der Bau einer Schweinefarm und das Anlegen einer Bananenplantage zu den weiteren Projekten. Durch diese verschiedenen Standbeine gelingt es zunehmend, sich selbstständig und zukunftsorientiert zu finanzieren. Krankenhausrechnungen, benötigte Hilfsmittel, Lebensmittel, Gehälter und viele weitere anfallende Kosten können so gedeckt werden. Gleichzeitig wird die Abhängigkeit von Spendengeldern reduziert – etwas, das für die Zukunft des Providence Home von enormer Bedeutung ist.
Ein besonders bewegender Teil meiner Zeit waren die Einsätze mit den beiden Physiotherapeuten Yahaia und George. Jeden Vormittag unter der Woche betreuen sie die Kinder vor Ort mit viel Geduld und Fachwissen. Doch ihre Arbeit endet nicht im Providence Home: Jeden Donnerstag fahren sie hinaus in abgelegene Dörfer, um Kindern mit körperlichen Einschränkungen Physiotherapie zu ermöglichen. Gemeinsam mit Fahrer Felix und Physiotherapeut Yahaya durfte ich diese Fahrten begleiten. Zu dritt auf einem Boda Boda ging es los, oft über mehrere Stunden auf staubigen und unwegsamen Gelände. Vor Ort wurden auf Bastmatten Gelenke mobilisiert, Bewegungsübungen durchgeführt und Muskeln gestärkt. Doch diese Besuche dienen nicht nur der medizinische Versorgung, sondern beinhaltet auch Aufklärung sowie Unterstützung der Eltern für den herausfordernden Alltag im Village. Gleichzeitig wird sichergestellt, dass die Kinder in einem sicheren Umfeld leben. Für die Familien sind die Besuche sowie die Beratung kostenfrei. Diese therapeutische Unterstützung macht sowohl für die Eltern als auch die Kinder einen enormen Unterschied, schenkt Perspektiven und lässt hoffnungsvoll in die Zukunft blicken.
Meine Zeit im Providence Home hat mir gezeigt, wie viel Hoffnung, Stärke und Menschlichkeit in einem Ort entstehen können, an dem Menschen füreinander da sind. Trotz vieler Herausforderungen erlebte ich dort täglich Lebensfreude, Zusammenhalt und Wärme. Ich bin dankbar für jede Begegnung, jedes Gespräch und jedes Lächeln, das ich erleben durfte – und dafür, für einen kleinen Moment Teil dieser besonderen Gemeinschaft gewesen zu sein.
Das Providence Home ist weit mehr als ein Kinderheim: Es ist ein Ort der Hoffnung, der Sicherheit und des Vertrauens.

























































