Thomas Trück – 11/2025
Anfang November unternahm eine Gruppe des Vereins „Helfende Hände“ eine Reise nach Mauretanien. Unter der Leitung von Gaby und Bernd Frey sowie in Bildern dokumentiert von der Fotografin Ulrike Klumpp, konnten sich die Teilnehmer vor Ort ein Bild über den Stand der Hilfsprojekte verschaffen. Über zehn Tage hinweg erstreckte sich das umfangreiche Programm, das reichlich Gelegenheit bot, sich eigene Eindrücke von Land und Menschen zu verschaffen.
Nach kurzer Akklimatisierung in der Hauptstadt Nouakchott stand als erstes die Besichtigung einer Schule an. Mit Unterstützung des Nagolder Vereins werden hier Kinder unterrichtet, denen kein Recht zum Besuch regulärer Schulen zusteht, insbesondere Kinder von Einwanderern und Flüchtlingen oder solche, die selbst Flüchtlingsstatus besitzen. Sie erhalten Unterstützung zum Erwerb von Schulmaterial, wie Schulranzen, Hefte, Stifte. Der Unterricht wird vor allem von pensionierten Lehrern bestritten. Die gleiche Zielgruppe noch kleinerer Kinder hat dank der Helfenden Hände die Chance einen geförderten Kindergarten zu besuchen.
Ebenfalls noch in der mauretanischen Metropole durfte die Abordnung der Aufnahmezeremonie für zwei Frauen in die Gruppe der „Couscousfrauen“ beiwohnen. Bei diesem Förderprogramm vergibt die Hilfsorganisation Mikrostartkapital, mit dem vor allem alleinerziehenden Müttern die Möglichkeit eröffnet wird, eine selbständige Tätigkeit zur Finanzierung des Lebensunterhalts aufzunehmen. Sie erhalten ein Starterset, bestehend aus einer einfachen und robusten Kochvorrichtung sowie zwei Säcken der Nationalspeise Couscous. Die von ihnen zubereiteten Speisen können sie so an öffentlichen Plätzen zum Verkauf anbieten. Wegen des großen Erfolgs der Maßnahme erhöhte sich die Zahl der unterstützten Frauen stetig. Die Nachfrage übersteigt die derzeit vorhandenen Plätze deutlich. Am Tag des Besuches feierten die Anwesenden Ihre beiden Neuzugänge ausgelassen mit Gesang und Tanz.
Am Folgetag begleitete die Nagolder Gruppe die örtliche Leiterin der Couscousfrauen beim Einkauf auf dem Mali-Markt. Für eine weitere vom Verein geförderte Kampagne erwarb sie Lebensmittel und Schulmaterial in ihrer zusätzlichen Funktion als ehrenamtliche Betreuerin einer Schule für deutlich unterernährte Straßen- und Waisenkinder. Auch dies war ein Erlebnis der besonderen Art. Das Eintauchen in ein Dickicht von Menschen, Waren, Stimmen und Geräuschen führte die Begleiter in eine ganz eigene Welt fernab dessen, was Besuche von Märkten anlässlich touristischer Reisen zu bieten haben.
Umrahmt wurden die persönlichen Kontakte von einem eher offiziellen Rahmen. Ein kleiner formloser Empfang bei der Deutschen Botschaft in Mauretanien bot Gelegenheit, die Arbeit der Organisation dort in Erinnerung zu rufen. Beim mauretanischen Justizministerium konnte sich ein Teil der Gruppe einen Überblick über das dortige Rechtssystem verschaffen und durchaus Gemeinsamkeiten zum deutschen Feststellen.
Nach vielen Stunden Fahrt durch die Wüste war die Stadt Atar die zweite Station der Reise. Hier werden gleichfalls Schulen unterstützt. In einer konnten die Gebäude bereits renoviert werden. Die Kinder erhalten nunmehr Unterricht in hellen, gut belüfteten Räumen, großenteils ausgestattet mit Schulmöbeln aus dem Raum Nagold. Sie boten den perfekten Rahmen für die Präsentation der Zahnprophylaxe durch den mitreisenden Zahnarzt. Bei der zweiten Schule befinden sich die Räume noch im Bau. Zum Abschluss erfolgte die Übergabe mehrerer gespendeter Laptops für einen EDV-Raum, der noch in 2025 in Betrieb genommen wird. Die sportliche Seite kam gleichfalls nicht zu kurz. Nach einem Fußballspiel durften die Jugendlichen und jungen Männer des Fußballvereins Trikots in Empfang nehmen, die von einem Teilnehmer der Reise organisiert und gespendet wurden.
Resümierend zeigten die Besuche ein menschennahes Konzept gelingender Hilfe zur Selbsthilfe. Hier werden nicht an den Vorstellungen des globalen Nordens orientierte Konzepte der „Entwicklungshilfe“ übergestülpt, die nicht selten an den Bedürfnissen der Empfänger vorbeigehen. Die Unterstützung erfolgt behutsam, im kleinen Rahmen unter Respektierung der mauretanischen Lebenswelt. Geleitet werden die Projekte von den Menschen vor Ort in eigener Verantwortung. Die Unterstützungsleistungen sind in erster Linie Starthilfen, um die Möglichkeit zu eröffnen, eigene Ideen umzusetzen und weiterzuentwickeln. Bei der Begleitung steht der persönliche Kontakt im Vordergrund und nicht Überwachung und unternehmerische Gewinnabschöpfung – Menschenwürde statt Marktideologie.
Ein Besuch auf dem Bürgermeisteramt von Atar durfte ebenfalls nicht fehlen. Neben den bemerkenswerten Ausführungen zu dem aus deutscher Sicht fast schon mikroskopischen Budget, mit dem die Gemeinde auskommen muss – und kann –, waren die Beschreibungen über die Auswirkungen des Klimawandels aus erster Hand besonders beeindruckend. Mauretanien gehört durch seine geographische Lage und den ohnehin schon extrem hohen Anteil an Wüste zu den von den Änderungen massiv betroffenen Ländern. Der Grundwasserspiegel sank wegen steigender Temperaturen und ausbleibendem Regen in den letzten wenigen Jahren um mehrere Meter ab. Dies führt wegen der damit verbunden Folgemaßnahmen, um weiterhin für die Siedlungsräume an Wasser zu gelangen, dazu, dass die außerhalb gelegenen Oasen zunehmend austrocknen. Die dortige bislang autarke „Landwirtschaft unter Palmen“ zur Gewinnung vor allem von Datteln, Getreide, Kamel- und Ziegenmilch sowie Viehzucht kommt so nach und nach zum Erliegen. Die Menschen wandern ab in die wenigen Städte wie Atar. Diese bieten jedoch für die stetig steigende Zahl an Einwohnern nicht mehr genügend Arbeit und Unterkünfte. So ergeben sich immer größer werdende soziale Probleme, für die es bislang noch kaum Lösungsansätze, geschweige denn genug Geld gibt.
Über die offiziellen Teile hinaus gab es selbstverständlich Gelegenheit die schönen Seiten des Wüstenstaates zu erleben. Der Teil der Sahara, der noch der Sanddünenwüste vorgelagert ist, zeichnet sich durch den langen Zug des Adrar-Gebirges aus. Hier befindet man sich inmitten von monumentalen Tafelbergen, die beeindruckende Landschaftsszenarien formen. Oasen durchbrechen die Steinwüste mit üppigen Palmenhainen, die in fast schon surreal wirkendem Kontrast zur hitzeflimmernden Umgebung stehen. Sie bieten Gelegenheit in der sengenden Mittagssonne ein wenig Abkühlung zu suchen und unter schattenspendenden Zeltbahnen die hiesigen Datteln und Bananen zu genießen, immer begleitet von der traditionellen Teezeremonie.
Alle Teilnehmer freuten sich, wieder zu Hause angekommen, über eine gelungene Reise. Mauretanien ist ein faszinierendes, touristisch bislang sehr wenig erschlossenes Land mit beeindruckenden Landschaften, bewohnt von freundlichen Menschen, die wenig brauchen, um zufrieden zu sein. Die Arbeit des Vereins Helfende Hände erzielt große Erfolge im Kleinen – für die Menschen, die wirklich auf Hilfe angewiesen sind.




























































