Drucken

Weiterer Einsatz im Oktober 2019 in Burundi

Nach einem erfolgreichen Einsatz im Februar 2019 (siehe Bericht unter „Aktuelles“ über den Burundi Einsatz der Helfenden Hände im Frühjahr 2019) reist im Oktober dieses Jahres nochmals eine Delegation nach Burundi, um zu helfen. Unser Vorstandsmitglied, der burundische Arzt Blaise Bisabwa wird die Delegation wieder begleiten.

Erstmals war im Februar Dr. Ralf Krych aus Mosbach in Burundi im Einsatz. In kurzer Zeit hat er gemeinsam mit Hans-Georg Vrecko alles operiert, was möglich war. Die 5 burundischen Ärzte vor Ort baten, zeitnah bei weiteren Operationen höheren Schwierigkeitsgrades ausgebildet zu werden.

Ralf Krych sah sofort die Notwendigkeit eines weiteren Einsatzes und ist erfreut darüber, dass ihn das Team vom Frühjahr, der Anästhesist Hans-Georg Vrecko, stv. Vorsitzender) und Ina Roy (Vorstandsmitglied) begleiten werden. Sie wird als Übersetzerin tätig sein und ihr Projekt „.Hilfe zur Durchführung von Hygiene, insbesondere der Frauenhygiene“ weiter verfolgen. Auch der Kollege Matthias Schellmann wird erstmals dabei sein.

 

Dr. Ralf Krych, Facharztzentrum für Chirurgie, Orthopädie und Unfallchirurgie aus Mosbach, wird künftig dem Vorstand des Vereins als Berater zur Verfügung stehen.

Drucken

Mosbacher Ärzte fahren erneut nach Burundi

Mosbacher Ärzte fahren erneut nach Burundi
Für eine Behandlung fehlt oft das Geld – Im Gepäck haben sie nicht nur medizinisches Material, sondern auch Know-how

Von Noemi Girgla
Mosbach/Kirundo. Nach Burundi kam der Mosbacher Orthopäde und Unfallchirurg Ralf Krych eher zufällig. Schon während seines Medizinstudiums in Heidelberg wollte er zu "Ärzte ohne Grenzen", "aber nach dem Studium ist man dann doch sehr beschäftigt damit, seinen Facharzt zu machen und Oberarzt zu werden", berichtet Krych. Als er von Matthias Schellmann, Internist und Oberarzt der Neckar-Odenwald-Kliniken, von dem Verein "Helfende Hände" erfuhr, musste er nicht lange überlegen und ging im Februar dieses Jahres zum ersten Mal nach Burundi.

Der Verein hat seinen Sitz in Nagold im Landkreis Calw und leistet humanitäre Hilfe in Mauretanien und Burundi. Burundi ist laut dem "Handelsblatt" derzeit das zweitärmste Land der Welt. Der ostafrikanische Staat hat pro Kopf ein Bruttoinlandsprodukt von nur 306,97 Dollar. Gebeutelt wurde das Land durch den gewaltsamen Konflikt zwischen Hutu und Tutsi. Seit 2005 ist Pierre Nkurunziza Präsident des Landes. "Seither hat sich die Sicherheitslage zwar verbessert", erzählt Ralf Krych, "aber schon bei der letzten Wahl war seine Wiederwahl umstritten." Wie sich das auf die Projekte der Helfenden Hände auswirkt? "Eigentlich wollten wir erst nächstes Jahr wieder nach Burundi", erläutert Krych, "aber dann ist Wahljahr, und es ist nicht vorhersehbar, ob es erneut zu Konflikten kommt. Deshalb haben wir beschlossen, dieses Jahr im Oktober/November noch einmal hinzufliegen." Dieses "wir" umfasst auch drei Mosbacher Ärzte: Ralf Krych und Matthias Schellmann sowie einen Assistenzarzt der Neckar-Odenwald-Kliniken Mosbach, Blaise Bisabwa, aus Brundi, der ein Vorstandsmitglied des Vereins ist.

"In Burundi sieht man Dinge, die kennt man in Deutschland nur noch aus Lehrbüchern", führt Krych aus. "Außerdem sind offene Brüche an der Tagesordnung. Damit einhergehend und wegen der schlechten Versorgungslage sind Knochenentzündungen und Vereiterungen sehr häufig und oft tödlich."

Oft fehlt es vor Ort nicht nur an der medizinischen Ausstattung. "Material hilft, aber auch die Weitergabe von Know-how ist unerlässlich", schildert Blaise Bisabwa. Auch das bringen die Ärzte der Helfenden Hände in die Region. Gemeinsam mit den
einheimischen Medizinern nehmen sie die Eingriffe vor und schulen sie vor Ort. "Im Medizinstudium in Burundi hat man erstmal vier Jahre nur Theorie, danach drei praktische Jahre", erläutert Bisabwa, "wer sich spezialisieren möchte, der muss ins Ausland."

In Kirundo, wo das Krankenhaus liegt, das der Verein unterstützt, kommen derzeit nach Angaben von Krych und Bisabwa acht Ärzte auf 800.000 Einwohner. Neben Brüchen sind auch Verbrennungen sehr häufig. 2016 hatten nur 7,6 Prozent der Bevölkerung Zugang zu Elektrizität, der Rest nutzt offenes Feuer. Die Malaria ist die größte Geißel Brundis: "Allein in diesem Jahr sind schon 6 Millionen Malariafälle bekannt - bei einer Bevölkerung von gerade mal 11,2 Millionen", so Krych über das Ausmaß der Infektionsrate. Antibiotika gebe es zwar, sagt Bisabwa, doch es seien auch viele unwirksame Produkte im Umlauf. Seit 1993 können die Medikamente nicht mehr im eigenen Land produziert werden und müssen (günstig!) aus Indien und
Ostasien eingekauft werden.
 
Nur wenige Einwohner kommen zur Behandlung ins Krankenhaus. Es fehlt das Geld dafür. In einem Zimmer liegen vier bis fünf Patienten, die beständig ihre Angehörigen um sich haben, welche die Erkrankten mit Essen und sauberer Kleidung versorgen. Dies ist bei der Behandlung nämlich nicht mit inbegriffen. Verlassen darf man das Krankenhaus erst wieder, wenn die Rechnung beglichen ist.

"Zwei etwa achtjährige Kinder waren schon seit über einem halben Jahr im Krankenhaus, da ihre Familien das Insulin, das sie täglich benötigten, nicht bezahlen
konnten. Und natürlich wuchsen die Kosten täglich. Letztlich haben wir die Rechnung und noch ein Jahr lang die Insulin-Versorgung für die Kinder gezahlt. Das waren 300 Euro - für beide", sagt Krych.

Zwei Wochen werden die Mosbacher Ärzte sowie der Rest der Delegation (der Anästhesist Hans-Georg Vrecko und die Dolmetscherin Ina Roy, beide aus Calw)
wieder in Burundi sein. Was sie erwartet, ist nicht zu planen. "Wir müssen schauen, was ansteht. Aber es gibt immer was zu tun", weiß Krych. Ein Arzt aus Kirundo hat ihn schon gebeten, mit ihm gemeinsam einen Eingriff vorzunehmen, damit er diesen dann in Zukunft auch selbstständig durchführen kann.

 

Die Mosbacher Ärzte Ralf Krych (l.) und Blaise Bisabwa (r.) fahren dieses Jahr mit dem Verein "Helfende Hände" ein weiteres Mal ins ostafrikanische Burundi. Was die Ärzte genau erwartet, lässt sich erst vor Ort feststellen. Foto: Ina Roy

Drucken

Mitgliederversammlung der Helfende Hände e.V., Nagold am 16.11.2019

Mitgliederversammlung der Helfende Hände  e.V., Nagold am 16.11.2019

Wir laden Sie herzlich zur Mitgliederversammlung am Samstag, den 16. November 2019,  16 Uhr in das Hotel Adler in Nagold ein.

Zurzeit sind 2 Delegationen in Afrika unterwegs, um in Burundi und Mauretanien die  Projekte der Helfenden Hände weiter zu bringen. Mit einer spannenden Multimediapräsentation werden die Delegierten über ihren Einsatz berichten.

Wir können Afrika nur helfen auf eigenen Beinen zu stehen, wenn wir Hilfe zur Selbsthilfe leisten.

Jedermann ist willkommen, der interessiert ist,  aktuell über unsere Arbeit in Afrika mehr zu erfahren.

Drucken

Weiterer Einsatzort der Handwerker im Kinderheim Mugabekazi w’Ingo

In dem Heim leben derzeit 63 Kleinkinder, die von ehrenamtlichen jungen Frauen versorgt werden. Die Schützlinge sind Waisen und Findelkinder. Ihre Familien waren zu arm um Ihren Nachwuchs zu ernähren oder es sind Kinder deren Mütter gestorben sind und von Ihren Vätern abgegeben wurden. Das Kinderheim finanziert sich ausschließlich durch einheimische und internationale Spenden. Momentan wird es von Pater Eric und Libere geleitet.

 

Ohne die sonst übliche Unterstützung von Pater Leopold gingen die zwischenzeitlich eingetroffenen vier deutschen Handwerker an die geplante Arbeit.

Die beim letzten Einsatz begonnene Schreinerwerkstatt wurde fertiggebaut sowie mit alten und robusten Schreinereimaschinen aus Deutschland ausgestattet. Zusätzlich begannen die Handwerker damit eine Schlosserwerkstatt zu errichten. Beim nächsten Einsatz soll diese mit gebrauchten deutschen Geräten und Werkzeug ausgestattet werden. Ziel dahinter ist, dass erfahrene einheimische Schlosser und Schreiner junge arbeitslose Männer aus der Region in den Handwerken anlernen. Erste positive Ausbildungserfahrungen konnte Thomas Schmidt mit drei sehr geschickten Jugendlichen gewinnen. Der mitgereiste Schreiner wies die jungen Männer in die Anwendung der nicht ganz ungefährlichen Maschinen ein. Die drei Handwerker aus Baiersbronn, Fritz Kirschenmann, Christoph Steudinger und Tobias Klumpp sorgten dafür, dass alle technischen Einrichtungen und Gebäude wieder auf Vordermann gebracht wurden. So wurden zum Beispiel die Wassertanks abgedichtet, der im vergangenen Jahr gebaute Ofen entrußt, sowie die mitgebrachten Mühlen auf Maniok und Mais umgebaut. Das Team freute sich darüber, dass die beim letzten Einsatz mitgebrachten Werkzeuge und Gerätschaften benutzt wurden und nahezu noch vollständig vorhanden waren.

Auch für die benachbarten Schulen gab es Unterstützung. Zwölf Bananenkisten vollgefüllt mit aus Deutschland gespendetem Schreibmaterial wurden an die äußerst dankbaren Kinder verteilt.

Burundi ist eines der ärmsten Länder der Welt aus dem sich aufgrund der instabilen politischen Lage die meisten Hilfsorganisationen zurückgezogen haben.

Den Einsatzkräften der Helfenden Hände sind die Menschen dort ans Herz gewachsen und sie werden weiter versuchen Hilfe zu leisten, wo sie doch so dringend gebraucht wird!

Drucken

Bericht über den Burundi Einsatz der Helfenden Hände im Frühjahr 2019

Aus Bad Liebenzell fuhren Ina Roy und Hans-Georg Vrecko und aus Mosbach die Ärzte Blaise Bisabwa, Ralf Krych und der Vorsitzende Günter Seibold mitten in der Nacht nach Frankfurt.

Nach zehnstündigem Flug landeten wir pünktlich in Bujumbura, wo wir zu unserer Überraschung von einer großen Delegation von Klinikärzten herzlich begrüßt und empfangen wurden. Da eine nächtliche Fahrt von Bujumbura nach Kirundo nicht empfehlenswert ist, übernachteten wir in einem Guesthouse.

Nach einem gemütlichen fast europäischen Frühstück starteten wir in zwei Fahrzeugen Richtung Kirundo. Unterwegs besorgten wir uns noch Gemüse für die ersten Tage.

Auch in Kirundo hat man uns mit offenen Armen empfangen, die Unterbringung war bekannt, wir fühlten uns gleich wieder zuhause.

Am nächsten Morgen machten wir uns zunächst daran, die 100 kg Instrumente, die wir mitgebracht haben, auszupacken und einzusortieren.

Hierbei lernten wir auch unsere burundischen Kollegen Joseph, Nestor, Camus und Vestine kennen.

Bei unserer ersten gemeinsamen Visite stellten uns die Kollegen Patienten vor. So konnten wir für die nächsten Tage OP-Pläne erstellen, an Unfall-Opfern mit zum Teil schrecklichen Verletzungen, die auch über Wochen und Monate nicht oder nur schlecht geheilt waren, mangelte es nicht.

Unser technisches Team: Ina und Günter organisierten Regale, damit die gespendeten Verbandsmaterialien nicht in angestoßenen Kisten, sondern übersichtlich (eben deutsch) gelagert werden können.

Die Morgen-Visite beinhaltete Kontrolle und Nachsorge der Vortags-OPs, Verbandsvisite, Versorgung von Brandwunden, die nicht zu operieren waren, deren Behandlung aber die Kollegen interessiert verfolgten und protokollierten.

Erfreut stellten wir fest, dass das Krankenhaus insgesamt seit unserem Besuch im Oktober 2017 deutlich sauberer (die Betten haben Bettlaken) und die Arbeitsweise strukturierter ist.

Folgende Eingriffe haben wir zusammen durchgeführt: eine frische Oberschenkelfraktur mit Platte versorgt, eine Unterschenkel-Pseudarthrose angefrischt und mit Platte rekonstruiert. Leider fünf Amputationen, bzw. Teilamputationen wegen Nekrosen oder großer Defekte.

Entfernung eines Knochensplitters, der das Verheilen der offenen Wunde behinderte. Ein Mädchen mit Schlüsselbeinbruch bekam eine wunderschöne Platte, die die Kontinuität des Knochens gewährleistet. Ein Bub mit Sprunggelenksbruch in der Wachstumsfuge wurde reponiert und mit Spickdraht für 6 Wochen versorgt, so dass diese Verletzung hoffentlich auch ohne Wachstumsschäden heilt. Zwei Metallentfernungen, eine am Schienbein und eine am Unterarm und die Versorgung einer Fingerkuppe waren dann noch die einfachsten Eingriffe.

Außerdem gab es Wundversorgungen nach schweren Verbrennungen und die Mobilisation von Kontrakturen in Narkose mit Gipstutor für eine Woche.

Günter Seibold hat die OP-Technik aufs hervorragendste ausgebaut: das undichte Narkosegerät mit einem neuen Schlauch versehen und sowohl eine luftdruckbetriebene Bohrmaschine als auch eine Knochensäge mit einem hauseigenen Kompressor zum Laufen gebracht.

Als Wermutstropfen sei nicht verschwiegen, dass es mit der Auslieferung der Container mit unseren aktuellen Sachspenden große Probleme gab. Obwohl nur drei Tagesreisen entfernt, konnten sie erst auf massiven Druck seitens Pater Leopold aus dem Zollhafen frei bekommen werden. Am letzten Tag erreichte er Kirundo und wurde unter unserer Beteiligung entladen und sein Inhalt in einem ordentlichen Lager deponiert.

Die Nähmaschinen und Stoffe hätte Ina Roy gern eher an die Projektleiterin für Frauenhygiene übergeben, aber immerhin sind auch sie angekommen. Geplant ist die Fabrikation von Damenbinden, die zunächst kostenlos an junge Mädchen verteilt werden sollen. Dafür sucht Alice Milanfanga Frauen, die nähen können und sich bereit erklären, für den Erhalt einer Nähmaschine 30% ihrer Zeit für die Herstellung von Damenbinden zu widmen. Alice hat dieses Projekt angestoßen und wird sich um dessen Umsetzung kümmern. Wir bleiben in Kontakt und werden berichten. Außerdem regt sie an, die Körperhygiene durch Bereitstellung von fest installierten Seifenbehältern an den Wasserstellen voranzutreiben.

Zum krönenden Abschluss haben Ina und Ralf zwei Kinder, die als Langzeitpatienten in der Klinik kaserniert waren, ausgelöst. Die Behandlung der zuckerkranken Kinder hat das Budget der Angehörigen überlastet, so dass sie nicht abgeholt werden konnten. Ihre Entlassung und Versorgung mit Insulin für das nächste Jahr ist jetzt gewährleistet.

Traurig zu berichten ist, dass Pater Leopold einen schweren Verkehrsunfall erlitten hat und eine Weile (Monate!!) krank sein wird. Allerdings ist er in einem von Schweizern betriebenen Krankenhaus untergebracht und wird nach europäischem Standard versorgt.

Während wir auf die Zollfreigabe unseres Containers warteten, saßen wir im Schatten eines Pavillons vor der Unterernährten-Station. Plötzlich gesellten sich immer mehr Mütter und Kinder zu uns, begannen zu singen und zu tanzen und bescherten uns damit einen zu Herzen gehenden Abschied.

Auch in Zukunft wird es noch viel zu tun geben. Blaise hat viel sonografiert und sollte sein Wissen weitervermitteln. Unfallopfer wird es immer geben, und unser OP-Team wird gerne wieder kommen, um die Ausbildung von Joseph, Nestor und Vestine weiter voranzutreiben.

Bis zum nächsten Mal! Tschüs Kirundo

Hinweis: Es ist geplant noch im Herbst 2019 eine weitere Delegation von Ärzten und ehrenamtlichen Helfern nach Burundi zu entsenden, um weitere Fortschritte zu erzielen.

Drucken

Ärztliche Delegation in Burundi 10/2017

Im Oktober 2017 war zum dritten Mal eine ärztliche Delegation für 2 Wochen im Bezirkskrankenhaus in Kirundo im Einsatz.

Mit dabei waren Hans Georg Vrecko als Anästhesist und Kai Roy als Chirurg. Begleitet wurden Sie von Ina Roy als Dolmetscherin, Günter Seibold, dem Vorsitzenden des Vereins und Blaise Bisabwa, einem burundischen Arzt, der im Moment in Deutschland - von unserem Verein unterstützt - eine Fachausbildung absolviert.

Die Anreise erfolgte diesmal – den Unruhen in Burundis Hauptstadt geschuldet – über Kigali in Ruanda und Bustransfer in die 90 km entfernte Provinzhauptstadt Kirundo.