St. Francis Buluba Hospital / Uganda
Sabine Pühl – 12/2025
Aufklärungsarbeit, die Vertrauen schafft
Im Vorjahr lief die Patientenregistrierung nicht ganz nach Plan. Die sonst gewohnten Zahlen von weit über 200 Patienten wurden nicht erreicht – unter anderem, weil in der Region zeitgleich weitere Surgical Camps stattfanden. Diese Eingriffe erfolgen jedoch ohne Netzimplantation – ein entscheidender Unterschied, wenn es darum geht, einen erneuten Bauchwandbruch langfristig zu verhindern.
Statt einer Anmeldung in einem starren Zeitfenster wurde die Patientenregistrierung für die Bevölkerung über das ganze Jahr hinweg geöffnet. Die medizinischen Teams machten sich auf den Weg in die Dörfer, informierten vor Ort und erklärten die Besonderheiten sowie die Vorteile der Operation mit Netzimplantation.
Für die meisten Menschen in der Region ist eine Operation mit Netz – die für eine nachhaltige Behandlung entscheidend ist – aus eigener Tasche schlicht nicht finanzierbar. Umso wichtiger war die gezielte Aufklärungsarbeit, die Vertrauen schuf und den Zugang zu dieser Form der medizinischen Versorgung erst möglich machte.
Wieder da, wo das Herz schlägt: Buluba
Schon bei der Landung in Entebbe war klar: Die Vorfreude auf Buluba kannte keine Grenzen. Die Anreise verlief reibungslos, die Motivation war hoch – einzig eine Frage sorgte für etwas Nervenkitzel: Sind unsere Gepäckstücke in Istanbul auch wirklich verladen worden? Im Vergleich zum Vorjahr konnten wir aufatmen – lediglich sechs Taschen trafen erst am nächsten Abend ein.
Der Rest lief wie am Schnürchen. Im Lost-&-Found-Office wurden die fehlenden Gepäckstücke schnell im System erfasst, und auch die Einfuhr der angemeldeten Materialien ließ sich problemlos mit dem Inspektor der NDA klären. Kurz darauf saßen wir bereits im beladenen Bus und erreichten zügig unser Hotel in Entebbe – ein kurzer Zwischenstopp zum Ankommen, Durchatmen und Energietanken.
Am nächsten Morgen ging es weiter. Nach einem entspannten Frühstück wurde das Handgepäck verstaut und der klapprige Bus nahm Kurs auf Buluba. Unterwegs hielten wir traditionell an den Märkten und deckten uns mit frischen Mangos, Avocados und Unmengen an Ananas ein – frischer geht es nicht.
Nach rund viereinhalb Stunden Fahrt war es schließlich so weit. In Buluba empfingen uns Gesang, Blumen und strahlende Gesichter. Ein herzliches Willkommen, vertraute Begegnungen – und in diesem Moment fühlte sich Ankommen wie Heimkommen an. Back home!
Der Einsatz nimmt Fahrt auf
Nach einem ausgiebigen Frühstück und frisch gestärkt ging es voller Tatendrang ins Hospital. Während die „Neulinge“ von Administrator George durch das Hospital geführt wurden, starteten die erfahrenen Teammitglieder bereits mit den Vorbereitungen im OP.
Koffer wurden ausgepackt, Materialien gesichtet und sortiert, Instrumentensets sterilisiert, Überwachungsplätze an den OP-Tischen eingerichtet, das Narkosegerät und Medikamente gecheckt, Nahtmaterial vorbereitet und die Diathermiegeräte angeschlossen. Was früher deutlich mehr Zeit in Anspruch nahm, lief dank der über die Jahre gewachsenen Routine inzwischen reibungslos – perfekt aufeinander eingespielt. Innerhalb weniger Stunden war alles einsatzbereit.
Anschließend wurden die für den ersten OP-Tag einbestellten Patienten im Rahmen der Visite untersucht und zur Operation freigegeben. Damit stand einem Start am Montag nichts mehr im Wege. Das Camp war startklar.
Ein Auftakt nach Maß
Pünktlich um 7.30 Uhr fiel am Montag der Startschuss. Das lokale Team hatte die Patienten bereits vorbereitet: OP-Hemden angezogen, Infusionen gelegt, alle saßen bereit – strahlend und voller Vertrauen. Innerhalb kürzester Zeit war das Team perfekt eingespielt, die Abläufe griffen Hand in Hand ineinander. Gleich am ersten Tag legten wir mit 27 Operationen einen grandiosen Auftakt hin.
Besonders gespannt war das Anästhesieteam auf die Zusammenarbeit mit Anaesthetic Officer Silvia, die nach dem krankheitsbedingten Ausfall von „unserem King George“ die lokale Vertretung übernahm. Mit ihrer ruhigen, zielorientierten Arbeitsweise erwies sie sich als äußerst kompetente Kollegin und fügte sich hervorragend ins Team ein.
Organisation als Schlüssel – gemeinsam stark
Pünktlich zurück aus der Entbindungspause war auch OP-Leitung Cindy wieder im Einsatz. Gemeinsam mit Kollegin Gladis organisierte sie die Zentralsterilisation hervorragend. Die mit OP-Kitteln und Abdecktüchern bestückten Trommeln kamen stets rechtzeitig – der OP-Betrieb lief reibungslos zur Freude aller Beteiligten. Mit unermüdlichem Einsatz, fachlicher Kompetenz und immer einem Lächeln im Gesicht war Cindy eine große Bereicherung für das Camp. Ihre selbst gebackenen Kuchen sorgten für eine süße Abwechslung im intensiven Arbeitsalltag.
Dank der gut strukturierten Abläufe konnten wir die vollgepackten OP-Programme trotz teils sehr schwieriger Befunde in der ersten Woche erfolgreich umsetzen. Ein besonderes Lob gilt unserer großartigen Patientenmanagerin Christine. Ihr Organisationstalent, die sorgfältige Vorbereitung und gezielte Einbestellung der Patienten sind in dieser Kultur eine echte Meisterleistung. Und ohne unser „Rösle“ – Sister Rose, die Oberschwester – wäre dieses Camp nicht das, was es ist: immer präsent, stets strahlend, hochprofessionell und verantwortungsbewusst – und das mit 71 Jahren. Rose, „DU BIST DIE BESTE!“
Gemeinsam stark
Einmal mehr hat uns begeistert, wie schnell Menschen mit unterschiedlichen Charakteren und aus verschiedenen Kulturen zu einer starken Einheit zusammenwachsen, wenn sie ein gemeinsames Ziel verfolgen. Die über das Jahr gesammelten Materialien aus zahlreichen Kliniken in Deutschland und der Schweiz wurden wie immer sinnvoll eingesetzt – ein großes Dankeschön an alle Kollegen, die dieses Projekt tatkräftig unterstützen. Gemeinsam bewegen wir die Welt.
Natürlich durfte auch die traditionelle Samstagabend-Party mit lokalen Essen und viel Tanz nicht fehlen – ein Zeichen der Wertschätzung und des Dankes an alle Mitarbeitenden für ihren außergewöhnlichen Einsatz.
Die Tage waren intensiv und fordernd – geprägt von anspruchsvollen Operationen, langen OP-Tagen und großer Verantwortung. Gleichzeitig waren sie erfüllt von Dankbarkeit, strahlenden Gesichtern und Momenten, die bleiben. Jede einzelne Operation war mehr als medizinisches Handwerk: Sie war ein Zusammenspiel aus Fachwissen, Teamarbeit und Mitgefühl – mit dem Ziel, Menschen zu helfen, die sich medizinische Versorgung oft nicht leisten könnten.
Insgesamt konnten bei 211 Patienten 255 Bauchwandbrüche operiert werden – nahezu alle mit einer Netzimplantation. Die große Mehrheit der Operierten verließ das Hospital bereits am nächsten Tag schmerzkompensiert und glücklich.
Ebenso ist es uns ein großes Anliegen, eine nachhaltige Wissensvermittlung durchzuführen. Nachwuchsärzte sowie Pflegekräfte sind aktiv eingebunden in die Abläufe. In der Praxis vertiefen sie ihr Wissen, sammeln wertvolle Erfahrungen, um verschiedene Prozesse oder Abläufe zu optimieren und stärken so langfristig die medizinische Versorgung vor Ort – weit über den Einsatz hinaus. Und auch das eigene Team profitiert durch die intensive Zusammenarbeit kontinuierlich vom Wissen und der Erfahrung der lokalen Fachkräfte.
Fazit: Miteinander lernen. Nachhaltig stärken.
Die Eindrücke, Begegnungen und Erfahrungen werden alle Beteiligten noch lange begleiten – beruflich wie persönlich. Und einmal mehr wurde uns bewusst, dass medizinische Versorgung und ein geregeltes Einkommen keine Selbstverständlichkeit sind.
Der Erfolg dieses Einsatzes ist ein Gemeinschaftswerk – getragen von Vertrauen, Engagement und einer engen Zusammenarbeit mit dem lokalen Team, Hand in Hand und auf Augenhöhe. Jeder Einzelne ist ein wichtiger Teil dieses großartigen Projekts.
Ein Einsatz, der nicht nur Leben verändert, sondern auch uns selbst – und uns daran erinnert, was im Leben wirklich wichtig ist.
Wir Bedanken uns ganz herzlich – im Namen der Patienten sowie dem Team des Buluba Hospitals – für die großartige Unterstützung in jeglicher Form wie Geld- und Materialspenden.
WEBALE NNYO 🙏































































































